One Billions Day. Rede zum 14.02.2019 in Dresden.

(Ausgeführte Rede zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am Goldenen Reiter.) 

Bitte rufen Sie keinen Notarzt und keine Polizei. Sie tragen die Kosten des Einsatzes!

"Erfahrungen.

Es ist immer nur Spaß.

Meine Erfahrung ist: Laute Männer gewinnen immer.

Ich schreie leise. Verzweifelt. Dem Abgrund nahe. Immer in Erwartung - was wird als nächstes passieren. Und dann singe ich. Oder tanze - wenn die Möglichkeit besteht.

Ich habe Angst - vor der nächsten Arbeitsstelle. Denn ich bin oft cholerisch angeschrien und entsorgt worden - unabhängig von meiner Leistung. Auch Arbeitsweitergabe-Verweigerung und Alkoholkonsum am Arbeitsplatz spielten eine Rolle.

Ich bin präsent - im Internet. Ich erfuhr Fake-Profilanfragen und bin in einem Forum mit meinem beruflichen Online-Auftritt breitband seziert und bei Youtube gespamt worden.

Bei Bewerbungen werde ich wiederholt gefragt - Was wollen Sie denn hier?

...

Meine Lebenskarriere begann mit Pädophilie. Mit dem Resultat des Selbsthasses und weiteren Rückzugs, obwohl ich schon ein stilles Kind war.

Es folgte schulisches Mobbing, Beine stellen, der Vorwurf der Begriffsstutzigkeit seitens des Lehrkörpers.

Und der immerwährende Selbsthass. Die Ohnmacht, nichts ausrichten zu können. Das ausgelacht werden, der im Raum stehende Vorwurf, die Familie zu zerstören, wenn ich etwas sage. Die überbordende Scham.

 Danach.

...

Es ging weiter mit Ex-Freunden, wo mal ein Kissen ins Gesicht gedrückt wurde oder beim tanzen geschubbst oder Beine gestellt wurden, um mich als tollpatschig hinzustellen.

Maßregelung, ständig: Das ist alles falsch, was du machst.

Ich kenne 3 verurteilte Pädophile und mindestens 6 Opfer.

Ich kenne 2 vergewaltigte Frauen - und Männer, die weitere vergewaltigte Frauen kennen.

Ich kenne 2 Frauen, die von ihren Vätern bis ins Erwachsenenalter verdroschen wurden.

Ich kenne einen Mann, der seine Frau an ihrem eigenen Geburts- und Hochzeitstag beerdigt hat.

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Ich habe 2 Hausfriedensbrüche erlebt und einen sexuellen Übergriff durch zwei Männer beim Fußball schauen im privaten Rahmen. Es ist immer nur Spaß.

Ich wurde beruflich bedroht, sexuell herabgewürdigt. Mir wurden Aufgaben aufgetragen, die weit unter den Fähigkeiten lagen. Ich werde ausgelacht.

2017/2018 wurde Breitband-Hass ausgeführt. Ich wurde durch Amtsmitarbeiter angeschrien. Als Wolf im Schafspelz beschimpft. Einer der Hausfriedensbruch-Männer wiegelte Vereine und Auftraggeber gegen mich auf. Ein Amtsmitarbeiter drohte mir: Wenn ich mich mit dem Brüller nicht gutstelle, werde ich nie wieder in meinem Beruf arbeiten. Auch mit dem Hausfriedensbruch-Mann sollte ich zusammenarbeiten.

Sie wussten, dass ich Angst vor ihm habe.

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Ich bin ein Pimpf, ein Nichts, das 5. Glied der Kette.

Von der letzten Baustelle bin ich weg gejagt worden - weil ich Baupfusch dokumentiert habe.

Das Prorektorat Forschung hat mich im Stich gelassen. Der Vorfall ist vernachlässigbar.

Der Hausfriedensbruch-Mann darf weitermachen. Bis zum nächsten Mal. Bis zu meinem Herzinfarkt. Ist immer nur Spaß.

Wenn ich den Weißen Ring um Hilfe bitte, tu ich das nicht aus Spaß.

Wenn ich online um Hilfe bitte - weil ich leise schreien gewöhnt bin, dann tu ich das nicht aus Spaß.

Warum zeige ich so selten an? Weil ich dann eine Flatrate bei der Polizei einrichten müsste.

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Ich werde ausgelacht. Seit 35 Jahren.

Ruhig sein wird mit dumm und faul sein gleichgesetzt.

Lächeln und Freundlichkeit wird mit willig sein gleichgesetzt.

Lass die Leute in Ruhe - die könnten sonst was von dir denken.

Du musst flexibel sein.

An meinem Standort wohnen bleiben zu müssen, weil ich keine gute Arbeit an einem anderen Standort bekomme, bereitet mir Panik. Denn es triggert.

Darf ich mir auch mal was wünschen?

Ich habe ein Qualifikationsziel. Dafür werde ich ausgelacht und ausgegrenzt. Seit 15 Jahren.

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Ich möchte Sie ermutigen, nicht wegzuschauen. Nicht auszulachen.

Familien sind für mich Familien, wenn sie trotz Negativ-Vorfällen einen gemeinsamen Konsens finden und eine Verbesserung des Leidensdrucks ermöglichen.

Um signifikante Änderungen in der Gesellschaft durchzusetzen, ist es notwendig, dass Sie nicht länger schweigen.

Quälen Sie sich als Opfer keine weiteren Jahre. Quälen Sie sich als Zuschauer (m/w/d) aus Angst keine weiteren Jahre.

Seien Sie trotzdem vorsichtig, wem Sie ihre Geschichte anvertrauen. Es ist auch wichtig, um bei Notfällen wenigstens 1 Zeugen (m/w/d) benennen zu können.

 

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit."

 

Bitte rechnen Sie bei Veröffentlichung Ihrer erlebten und kommunizierten Gewaltdelikte mit weiterer Stigmatisierung.

Prüfen Sie Praktiken der Gladiatorenzeit oder Billigungen bis in die 80er Jahre des 20. Jhd., als Pädophilie bzw. antatschen von Kindern teilweise sogar als "gesund" angesehen wurde. Es ist für Kinder furchtbar. Ausgeliefert und machtlos sein wird als Kind bereits erlebt und kann durch die erlebte Gewalt zu beeinflusstem Verhalten in Jugend und Erwachsenenleben führen.

Ändern Sie wirksam. Bitte.